Labrador Retriever · FCI-Nr. 122

Kräftig ist nicht dasselbe wie schwer

„Kräftig gebaut“ und „viel Substanz“ sind im Verkaufsgespräch zu Vorzügen geworden. Der Rassestandard sagt dazu das Gegenteil. Und die Gelenke eines Labradors auch.

Athletischer, schlanker Labrador Retriever geht bei Morgennebel durch flaches Moorwasser
Wofür er gebaut wurde: Arbeit im Wasser, nach dem Schuss, über Stunden. Ein Körper, der das kann, sieht nicht massig aus.
Gesunder gelber Labrador Retriever sitzt im Profil vor nebelgrauem Hintergrund, mit deutlich erkennbarer Taille
Deutlich erkennbare Taille, trockene Muskulatur, klare Linie vom Brustkorb zur Flanke.
Der Zuchtzweck

Ein Arbeitshund aus Großbritannien

Der Labrador Retriever wurde als robuster, aktiver Apportierhund für die Arbeit nach dem Schuss gezüchtet. Sein Wesen ist geprägt von Intelligenz, einem ausgeprägten Willen, es dem Menschen recht zu machen, und einer angeborenen Wasserfreudigkeit.

Das ist keine romantische Herkunftserzählung, sondern die Erklärung für den Körper, den diese Rasse haben soll: stark gebaut und zugleich sehr agil. Beides zusammen — nicht das eine auf Kosten des anderen.

Der Rassestandard

Ausdrücklich ohne übermäßige Substanz

Der FCI-Standard verlangt eine Konstitution, die nicht durch übermäßiges Körpergewicht oder übermäßige Substanz beeinträchtigt wird. Das steht dort nicht als Randbemerkung, sondern als Anforderung.

Das Zuchtprogramm für diese Rasse zieht daraus die Konsequenz und richtet sich aktiv gegen die Übertypisierung in Richtung eines zu schweren, massigen Showtyps, weil dieser Typ Agilität, Ausdauer und Gelenkgesundheit beeinträchtigt. Funktionale Gesundheit und ausgeglichenes Wesen haben Vorrang vor rein ästhetischen Merkmalen.

Der massige Labrador ist also kein besonders typvoller Labrador. Er ist einer, bei dem man das Zuchtziel in die falsche Richtung ausgelegt hat.

Nahaufnahme der bemuskelten Hinterhand eines gesunden schwarzen Labrador Retrievers, der fest auf moorbraunem Boden steht
Die Hinterhand trägt. Was auf ihr lastet, entscheidet mit darüber, wie lange sie das schmerzfrei tut.
Warum das keine Geschmacksfrage ist

Die Gelenke rechnen mit

Hüft- und Ellenbogendysplasie sind Fehlentwicklungen der Gelenke, die zu Arthrose und zu erheblicher Bewegungseinschränkung führen können. Und sie tun weh. Deshalb ist die Röntgenuntersuchung beider Gelenkregionen für jedes Zuchttier verpflichtend, und deshalb wird bei den Befunden gestuft statt pauschal ausgeschlossen: Das senkt den Schweregrad in der Population Generation für Generation, ohne den Genpool unnötig zu verkleinern.

Körpergewicht und Körperbau sind dabei keine getrennte Frage, sondern dieselbe. Ein schwerer gebauter Hund belastet dieselben Gelenke stärker — ein Leben lang.

Ein Labrador soll stark sein.
Schwer soll er nicht sein.

Der Unterschied zwischen beidem ist keine Nuance und keine Modefrage. Er entscheidet darüber, ob ein Hund mit zehn Jahren noch den Hang hinaufkommt.

Was am Welpen nicht zu sehen ist

Zusammenbruch unter Belastung

Zu den Erkrankungen, für die es bei dieser Rasse einen zuverlässigen Gentest gibt, gehört eine Anlage, die zu belastungsinduziertem Kollaps führt: Betroffene Hunde brechen unter Anstrengung zusammen. Dazu kommen eine Form der Muskelschwäche, eine schmerzhafte Hauterkrankung, eine Netzhauterkrankung, die zur Erblindung führt, und eine Skelettfehlentwicklung.

All das ist einem ruhigen Welpen nicht anzusehen. Und einem ruhig daliegenden erwachsenen Hund auch nicht. Sichtbar wird es erst, wenn es zu spät ist, etwas daran zu ändern.

Für diese Anlagen gilt die einfachste wirksame Regel der modernen Zucht: Ein Träger darf verpaart werden, aber nur mit einem genetisch freien Partner. Dann erkrankt kein Nachkomme, und die gesunden Träger bleiben der Rasse als genetische Vielfalt erhalten.

Was Sie tun können

Und was Sie dafür nicht wissen müssen

Sie müssen weder Gelenkbefunde lesen noch einzelne Gentests auseinanderhalten und auch nicht danach fragen. Ob die Elterntiere nach dem Programm dieser Rasse zuchttauglich befundet waren und ob die Verpaarung zulässig war, steht im Zertifikat des Welpen.

Auf der Urkunde steht ein Kontrollcode. Den tippen Sie auf der ZEUS-Website ein und sehen selbst, ob das Zertifikat echt ist und zu diesem Hund gehört. Für Sie kostenlos.

Ein Punkt bleibt allerdings bei Ihnen: Was ein Züchter an Körperbau anlegt, kann ein Halter in zwei Jahren wieder zunichte machen. Die Zucht entscheidet über den Bau des Hundes — über sein Gewicht entscheidet, wer ihn füttert.

Zertifikat prüfen

ZEUS-Siegel Zuchttauglich — Approved for Breeding
Dieses Siegel trägt das Zuchttier, nicht der Welpe: Kondition, Gewicht und Gelenke werden am erwachsenen Hund befundet, bevor verpaart wird. Es ist die Voraussetzung — qualzuchtfrei zertifiziert wird erst der Wurf, dessen beide Elterntiere es haben.

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